Was ändert die Abgeltungssteuer an der Zinsabschlagssteuer?

Zinsabschlagssteuer
Zinsabschlagssteuer

Die Zinsabschlagssteuer ist wie die Abgeltungssteuer eine Quellensteuer. Das bedeutet, dass nicht der Steuerpflichtige, sondern das Kreditinstitut, bei dem die Anlage getätigt wurde, die Steuer direkt an das Finanzamt abführt.

Nach bisheriger Rechtslage ist es so, dass die Kreditinstitute eine Zinsabschlagssteuer in Höhe von 30% der Einkünfte direkt an das Finanzamt abführen. Dieser Abschlag wird jedoch bei der späteren Veranlagung mit der tatsächlich zu zahlenden Einkommensteuer verrechnet.

Die Abgeltungssteuer löst die Zinsabschlagsteuer damit als Quellensteuer ab, jedoch mit dem Unterschied, dass die Steuerpflicht auf Kapitalerträge damit abgegolten ist. Es findet also im Nachhinein keine weitere Prüfung bei der Veranlagung der Einkommensteuer statt. Die Zinsabschlagsteuer war somit eigentlich eher eine Vorauszahlung der Einkommensteuer, während die Abgeltungssteuer die Vollzahlung einer Steuerschuld darstellt.

Bei der Abgeltungssteuer wird übrigens genauso wie bei der Zinsabschlagsteuer der Solidaritätszuschlag mitberechnet. Dieser beträgt immer 5,5% auf die Steuerschuld. Wer daneben noch kirchensteuerpflichtig ist, muss noch einmal bis zu 9% auf die Abgeltungssteuer bzw. Zinsabschlagsteuer zahlen.

Betrachtet man nur die oben genannten Aspekte, kann man die Abgeltungssteuer wirklich als die bessere Alternative für die Anleger bezeichnen. Da die Abgeltungssteuer aber durch die volle Besteuerung von privaten Veräußerungsgewinnen und den Wegfall des Halbeinkünftverfahrens eine wesentlich breitere Bemessungsgrundlage hat, relativiert sich dieser Eindruck ziemlich schnell. Die Mehrbelastung für viele Anlageformen sorgt dafür, dass die Abgeltungssteuer als eine Art Steuererhöhung auf breiter Front angesehen werden kann.

Der relativ niedrige Steuersatz der Abgeltungssteuer im Vergleich zur Zinsabschlagsteuer kann also nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Abgeltungssteuer vor allem Wohlhabende begünstigt, die bisher einen persönlichen Einkommensteuersatz jenseits der 40% hatten. Bei allen, die mit ihrem Einkommensteuersatz nur knapp über den 25% der Abgeltungssteuer lagen, wirken die Belastungen wesentlich stärker als die zu erwartende Steuerersparnis. Die Finanzbranche arbeitet bereits mit Hochdruck an Anlageprodukten, die bei der Abgeltungssteuer möglichst günstig für den Anleger wrken. Solche Produkte können wir allen Anlegern nur wärmstens empfehlen.