Tipps zur Abgeltungsteuer bei Tagesgeldzinsen

Abgeltungssteuer Tagesgeld
Abgeltungssteuer
auf Tagesgeld

Durch das 2009 inkraft getretene Abgeltungsteuergesetz wird die Besteuerung von Kapitalerträgen, d. h. Zinsen, Dividenden und Wertsteigerungen des Vermögens durch Veräußerungen und Kursgewinne von Wertpapieren, gesetzlich neu geregelt. Seitdem erfolgt eine Trennung der Einkommensteuer nach Kapital- und Erwerbseinkommen, womit sich die Abgeltungsteuer nicht mehr wie bisher nach dem persönlichen Einkommensteuersatz richtet.

Was ist die Abgeltungsteuer?

Die Abgeltungsteuer dient der pauschalen Besteuerung aller erzielten Kapitaleinkünfte, sobald diese einen Freibetrag von 801 Euro bei Einzelpersonen bzw. 1.602 Euro bei gemeinsam veranlagten Ehepartnern überschreiten. Damit erfolgt auch eine Versteuerung von Tagesgeldzinsen.

Der Steuersatz der Abgeltungsteuer beträgt dabei pauschal 25 Prozent, hinzu kommen der Solidaritätszuschlag sowie ggf. die Kirchensteuer. Letztere ist jedoch sonderabzugsfähig und verringert den Abgeltungsteuersatz geringfügig. Damit ergibt sich ein Abzug in Höhe von:

  • 26.375 % (25 % Abgeltungsteuer inkl. 5,5 % Solidaritätszuschlag bei Konfessionslosen)
  • 27,8186 % (Abgeltungsteuer inkl. Solidaritätszuschlag und 8 % Kirchensteuer in Baden-Württemberg und Bayern)
  • 27,9951 % (Abgeltungsteuer inkl. Solidaritätszuschlag und 9 % Kirchensteuer in allen anderen Bundesländern)

Die Steuer wird als Quellsteuer erhoben, d. h. der Betrag wird direkt von der Bank anonym an das Finanzamt übermittelt.

Vor- und Nachteile der Abgeltungsteuer

Durch die Loslösung der Besteuerung von der Einkommensteuer profitieren zunächst die Anleger, deren Einkommensteuersatz mehr als 25 Prozent beträgt. Verglichen mit der bisherigen Regelung halbiert sich die Abgabenlast; die Nachsteuerrendite steigt. Doch auch kleine Anleger können einige Tipps und Tricks nutzen, um die Abgeltungsteuer ihres Tagesgeldkontos so klein wie möglich zu halten.

Tipp 1: Freistellungsauftrag stellen

Kunden erhalten den Sparer-Pauschbetrag nur dann automatisch, wenn sie einen Freistellungsauftrag bei der Bank gestellt haben, welche die Steuer abführt, d. h. bei der Kapitalerträge durch Tages- und Festgeldkonten, Depots o. ä. erzielt werden. Die Abgeltungsteuer wird dann erst für den über den Freibetrag hinausgehenden Betrag erhoben und abgeführt. Dieser liegt bei Einzelpersonen bei 801 Euro, bei gemeinsam veranlagten Ehepartnern bei 1.602 Euro.

Hat ein Anleger Gelder auf mehrere Banken verteilt, müssen mehrere Freistellungsaufträge gestellt werden, die den Gesamtbetrag nicht überschreiten dürfen. Ob sich der Anleger an die Regelung des Gesamtbetrages hält, wird stichprobenartig vom Bundesamt für Finanzen überprüft. Darüber hinaus sind die Banken verpflichtet, die Höhe der tatsächlich freigestellten Kapitalerträge an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden.

Vergessener oder falscher Freistellungsauftrag

Doch auch wenn vergessen wurde, einen Freistellungsauftrag zu stellen oder ein Fehler bei der Höchstsumme gemacht wurde, haben Anleger die Möglichkeit, die zuviel einbehaltene Steuer über die Steuererklärung zurückzuholen. Hierfür müssen sie die Anlage KAP in der Einkommensteuererklärung ausfüllen und so das Finanzamt über die Überzaahlung informieren.

Freistellung bei mehreren Anlagen

Die Freistellung bei Konten von mehreren Banken sollte analog zu den Zinserträgen erfolgen: Das Konto, das die meisten Zinsen erwirtschaftet, sollte mit dem größten Freibetrag versehen werden. Bei mehreren Konten mit gleichen Zinshöhen, die jeder für sich den Freibetrag übersteigen, ist die Art der Aufteilung irrelevant. Dabei gilt: Für jede Bank ist ein eigener Freistellungsantrag zu stellen, der dann automatisch alle Anlageformen bis zur angegebenen Höchstsumme abdeckt.

Gültigkeit

Der Freistellungsauftrag kann wahlweise für einen bestimmten Zeitraum oder unbefristet erteilt werden. Nachdem ein erster Auftrag erteilt wurde, kann dieser nur durch eine Änderung oder Löschung verändert werden. Bei Heirat, Trennung oder Scheidung verliert der Freistellungsauftrag automatisch seine Gültigkeit und muss von beiden Ehepartnern erneuert werden. Auch wenn man seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt und nicht mehr der unbeschränkten deutschen Einkommensteuerpflicht unterliegt, verliert der Auftrag seine Gültigkeit.

Bei einer gemeinsamen Veranlagung müssen Ehepartner bei jedem Kreditinstitut einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen.

Beispielrechnung

Bei einem Anlagebetrag von 50.000 Euro und einem Zinssatz von 3 Prozent wird am Jahresende ein Gewinn von 1.500 Euro erwirtschaftet. Bei einer alleinstehenden Person ohne Freistellungsauftrag wäre zu versteuern: 25% Abgeltungsteuer von 1.500 Euro Zinsertrag = 375 Euro Steuern an das Finanzamt, d. h. es bleiben für den Anleger 1.125 Euro Restertrag. Bei einer alleinstehenden Person mit Freistellungsauftrag hingegen lautet die Rechnung: 1.500 Euro Zinsertrag – 801 Euro Sparerfreibetrag = 699 Euro, die zu versteuern sind. Dafür wird eine Abegltungssteuer von 25 % fällig, d. h. 174,75 Euro Steuern gehen an das Finanzamt, der Sparer erhält 1.325,25 Euro Restertrag und damit 200 Euro mehr als ohne Freistellungsauftrag.

Tipp 2: Nutzung des Veranlagungswahlrechts - Günstigerprüfung

Während bei Anlegern, die einen Steuersatz von mehr als 25 Prozent abführen, die Steuerschuld durch die pauschale Besteuerung des Einkommens mit 25 Prozent abgegolten ist, sollten jene Steuerzahler, die unter 25 Prozent Einkommensteuer zahlen, von ihrem Veranlagungswahlrecht Gebrauch machen. Durch eine Beantragung beim Finanzamt wird dadurch eine Besteuerung nach dem persönlichen Steuersatz ermöglicht. Die Höhe des allgemeinen Einkommensteuertarifes ist dabei nicht entscheidend - maßgebend ist allein, wie hoch die Steuerbelastung bei einer Einbeziehung der Kapitaleinkünfte im Vergleich zu einer Besteuerung mit dem Abgeltungsteuersatz ist. Das Verfahren läuft nach der Beantragung von Amts wegen automatisch ab, sodass der Steuerpflichtige nichts weiter zu veranlassen hat. Für die überwiegende Zahl der Steuerpflichtigen lohnt sich die Ausübung des Veranlagungswahlrechts jedoch kaum, denn bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 15.721 Euro und 31.442 Euro bei zusammenveranlagten Ehegatten wird ein (Grenz-)Steuersatz von 25 % erreicht.

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Steuerersparnis bei einem Steuersatz von 19 Prozent gegenüber der automatisch erhobenen 25 Prozent.

Einkommensteuer 19 % Einkommensteuer 25 %
Zinsertrag vor Steuern 1.000 Euro 1.000 Euro
Sparer-Pauschbetrag -801 Euro -801 Euro
Bemessungsgrundlage 199 Euro 199 Euro
Einkommensteuer (19 % von BMG) -37,81 Euro -0,00 Euro
Abgeltungsteuer (25 % von BMG) -0,00 Euro -49,75 Euro
Soli (5,5 %) -2,08 Euro -2,74 Euro
Kirchensteuer (8 %) -3,02 Euro -3,98 Euro
Steuern gesamt -42,91 Euro -56,47 Euro
Zinsertrag nach Steuern 957,09 Euro 943,53 Euro

Sind die Grenzwerte überschritten, kann sich der Antrag auch dann lohnen, wenn für die Kapitalerträge die Gewährung des Altersentlastungsbetrags oder eines Härteausgleichs in Betracht kommt.

Tipp 3: Nichtveranlagungsbescheinigung

Anleger, deren Einkommen unterhalb des Grundfreibetrages von 8.004,00 Euro zzgl. Sparer-Pauschbetrag und Sonderausgabenpauschale, zusammen max. 8.841,00 Euro liegt, können beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Die Nichtveranlagungsbescheinigung sorgt unter anderem dafür, dass Zinsen und Kapitalerträge steuerfrei bleiben. Diese erhält jeder, der aufgrund eines zu geringen Einkommens von der Einkommensteuer befreit ist. Legt ein Sparer der Bank die NV-Bescheinigung vor, werden alle Kapitalerträge auch dann ohne Abzug ausgezahlt, wenn die Zinserträge höher sind als der Sparer-Pauschbetrag.

Die Nichtveranlagungsbescheinigung gilt widerruflich für maximal drei Jahre, kann danach aber erneut beantragt werden. Das Finanzamt kann eine vorzeitige Rückgabe der NV-Bescheinigung einfordern; zugleich verliert sie ihre Gültigkeit, wenn die Voraussetzungen für die Erteilung nicht mehr vorliegen.

Tipp 4: ausländische Kapitaleinnahmen

Während bei Tagesgeldkonten im Inland die Abgeltungsteuer direkt durch die Bank an das Finanzamt abgeführt wird, muss der Steuerzahler dies bei ausländischen Konten unter Umständen selbst übernehmen, sonst macht er sich strafbar. Hierfür ist die Anlage KAP der Steuererklärung relevant. Mit einigen Ländern wie z. B. der Schweiz bestehen inzwischen jedoch bilaterale Abkommen, sodass eine anonymisierte Abführung der Quellensteuer erfolgt. Sofern die Auslandsbank im Rahmen der EU-Zinsrichtlinie eine Quellensteuer einbehalten hat (eine Übersicht über die jeweilige Höhe findet sich hier), sollten Anleger dies melden denn die Abgabe lässt sich mit der Abgeltungsteuer verrechnen.

Tipp 5: Kirchensteuer

Die Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer als Sonderausgabe wird über eine komplizierte Formel im Abgeltungsteuersatz berücksichtigt und mindert diesen geringfügig. Da mit der Abgeltungsteuer alles abgegolten ist, kann die Kirchensteuer auf die abgegoltenen Kapitaleinkünfte auch nicht mehr als Sonderausgabe in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Die Kirchensteuer kann entweder direkt durch die Bank abgeführt werden, wenn dieser ein Antrag auf Abführung vorliegt. Fehlt diese Erlaubnis oder ist eine Abführung nicht möglich (beispielsweise bei Gemeinschaftskonten) muss der Anleger die bereits mit Abgeltungsteuer belegten Kapitalerträge bei der Steuererklärung melden. Die Banken und Fondsgesellschaften müssen Ihnen für jedes Jahr eine Bescheinigung über den Abgeltungsteuerabzug ausstellen, die der Steuererklärung beigefügt werden kann.

Tipp 6: Ältere Anleger können zusätzlich sparen

Anleger über 64 Jahren profitieren von einem speziellen Steuervorteil. Hierfür müssen sie eine Günstigerprüfung beantragen, damit ihre Kapitalerträge der individuellen Progression unterworfen werden. Das ist in der Praxis oftmals relevant, da der Altersentlastungsbetrag prozentual von den Einkünften errechnet wird, jedoch ohne Renten oder Versorgungsbezüge. Ist der Altersentlastungsbetrag nicht bereits aufgrund anderer positiver Einkünfte vollständig ausgeschöpft, ergibt sich eine Steuerminderung für Kapitalerträge.

Der Altersentlastungsbetrag wird ab dem Kalenderjahr gewährt, das auf die Vollendung des 64. Lebensjahrs folgt. Dabei ist der Antrag für den Anleger risikofrei: Liegt der errechnete Tarif über 25 Prozent, gilt der Antrag als nicht gestellt.

Alternativ ist die Beantragung einer NV-Bescheinigung für Rentner sinnvoll, wenn sie zur gesetzlichen Rente noch Zinsen beziehen und ihre Einkünfte nicht höher als 8.004 (Ehepaare: 16.009) Euro im Jahr sind. Für Pensionäre ist der Antrag sinnvoll, wenn sie eine Pension auf Steuerkarte mit der Steuerklasse I oder IV beziehen und höchstens noch Kapitaleinkünfte von jährlich 410 Euro haben.

Tipp 7: Geldgeschenke an die Kinder

Ehepaare erhalten einen jährlichen Steuerfreibetrag von 1.602 Euro auf Zinserträge. Transferieren sie Kapital auf noch nicht erwerbstätige Kinder, z. B. auf ein Tagesgeldkonto, wird pro Kind ein Betrag von 8.841 Euro brutto wie netto möglich. Die Freibeträge für Schenkungen sind 2009 dabei gestiegen und betragen für Kinder 400.000 Euro und für Enkel 200.000 Euro pro Elternteil.

Neben dem Steuervorteil durch den Geldtransfer wirkt sich ebenso positiv aus, dass sich frühzeitig übertragene Wertpapiere und Sparguthaben später nicht mehr belastend auf die Erbschaftsteuer auswirken, sofern der Todesfall erst zehn Jahre nach der Schenkung eintritt. Der familieninterne Kapitalübergang ist dabei höchst legal: Angehörigen steht es frei, ihre Rechtsverhältnisse untereinander so zu gestalten, dass die Steuerbelastung am Ende möglichst gering ist. Zu beachten ist lediglich, dass ein dauerhafter Transfer erfolgt. Wird gegen diese Regeln verstoßen, rechnet das Finanzamt die Zinsen, Dividenden und Kursgewinne rückwirkend den Eltern zu und es kommt zu Nachforderungen und Zinsnachzahlungen. Damit die Bank oberhalb des Freistellungsauftrags von 801 Euro keine Abgeltungsteuer einbehält, sollten Eltern für ihre Kinder beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen.

Langfristige Investitionen in die private Altersvorsorge

Auf langfristige Anlageformen, die ausschließlich der privaten Altersvorsorge dienen, wird keine Abgeltungsteuer erhoben, d. h. Riester-Fondssparpläne, Rürup-Rente und betriebliche Vorsorgepläne bleiben von der Abgeltungsteuer ausgenommen. Wer langfristig Kapital anlegen und dabei zugleich die Abgeltungsteuer einsparen will, sollte über eine solche Anlageform nachdenken. Ebenfalls unberührt von der Abgeltungsteuer bleiben private Renten- und Kapitallebensversicherungen, sofern die Verträge vor dem 01.01.2005 abgeschlossen wurden und die Haltedauer mindestens 12 Jahre beträgt. Ist die Haltedfauer geringer, unterliegt auch der Verkauf einer Lebensversicherung der Abgeltungsteuer.

Zu weiteren Tipps und Tricks bei der Minimierung der Abgeltungsteuer finden sich zahlreiche Bücher, die sowohl unterschiedliche Anlageformen als auch spezielle Alters- und Berufsgruppen berücksichtigen.